Damit wir uns nicht verlieren

Lesung aus dem Briefwechsel von Sophie Scholl und Fritz Hartnagel

Herausgegeben von Thomas Hartnagel

Es lesen Theresa Hanich und Michael Stacheder. Am Klavier Frank Selzle.

Im Winter 1942/43 kämpfen Sophie und Hans Scholl mit den Flugblättern der »Weißen Rose« gegen das NS-Regime. Zur selben Zeit ist Fritz Hartnagel, Offizier der deutschen Wehrmacht, im Kessel von Stalingrad eingeschlossen. Als er im Lazarett Sophies letzten Brief erhält, ist das Todesurteil gegen sie bereits vollstreckt. 1937 begann die Freundschaft, die Liebe zwischen der sechzehnjährigen Schülerin und dem jungen Leutnant. Zusammensein und Gespräch mussten oft durch Briefe ersetzt werden: Sie spiegeln alle Phasen dieser außergewöhnlichen Beziehung, die gegensätzlichen Auffassungen der beiden, wie ihr Bedürfnis nach Nähe, ihr Bemühen, innere Freiheit und die Fähigkeit zu verantwortlichen Handeln zu erwerben – und zu bewahren, »allen Gewalten zum Trotz«.

Meine liebe Sofie! (…) Du bringst mich in einen großen Konflikt, wenn Du mich nach dem Sinn des ganzen Blutvergießens fragst. Vor zwei Jahren hätte ich Dir vielleicht eine Antwort darauf geben können, wo ich glaubte, ausgereift zu sein. Aber heute komme ich mir vor wie ein kleiner Junge, der am Anfang seiner Entwicklung steht. Daran bist zum großen Teil Du schuld. Und ich bin froh darum. (…) Fritz Hartnagel, 13.9.1939

Mein lieber Fritz! (…) allzu lange halte ich’s mit einem einzigen Menschen nicht aus. Versteh mich nicht falsch! Aber wenn man nur mit einem Menschen verkehrt, übt dieser einen zu großen Einfluss aus. Sobald jemand Ansprüche stellt, werde ich, glaube ich, sehr empfindlich. Du weißt es wohl auch, es gibt Stunden des Alleinseins, die wiegen alle die Tage auf, in denen man sich gesehnt hat nach einem Menschen. Dann erscheint das Rücksichtslose als das Wahre und Mitleid als Schwäche. Es ist sehr möglich, dass ich schwach bin. (…) Sophie Scholl, 29.10.1939

Bewegende Liebesbriefe, geschrieben unter schwierigsten Bedingungen.
Ein aufrüttelndes menschliches und historisches Dokument.

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Ganze Spielzeit buchbar

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